Die Aufklärung

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Aufklärung (etwa 1720 bis 1785)

Das 18. Jahrhundert, das Jahrhundert der Aufklärung, gilt im Allgemeinen auch als das Jahrhundert der Emanzipation des Bürgertums. Dieses erlangte auf Grund seines zunehmenden Einflusses in Politik und Wirtschaft auch gesellschaftlich Ansehen und Bedeutung. Eine neue Schicht, die neue Werte wie die Herrschaft der Vernunft, Skepsis, geistige Freiheit, religiöse Toleranz, politische Gleichheit, Bildung und Erziehung vertrat, konnte sich so gesellschaftlich etablieren.
Der Aufstieg dieser Schicht schlug sich auch in der Kultur nieder, welche in zunehmendem Maße vom Bürger rezipiert wurde. Das Bürgertum beanspruchte somit eine Rolle, die vorher hauptsächlich der Adel innehatte.
Dies bedeutete, dass der Kulturschaffende sich immer mehr an den neuen Rezipienten orientieren musste. Das 18. Jahrhundert wird daher nicht ohne Grund als das Jahrhundert der Verbürgerlichung der Kultur bezeichnet. Diese Verbürgerlichung äußert sich in erster Linie an der Darstellung so genannter bürgerlicher Werte wie geistiger und religiöser Freiheit, Toleranz und tugendhaftem Verhalten. Auch die Abgrenzung vom Adel und die Religionskritik spielen eine bedeutende Rolle.
Gleichzeitig werden aber auch die traditionellen Gattungen in Frage gestellt, so entstehen z.B neben den klassischen Gattungen Komödie und Tragödie noch diverse "Zwitterformen". So entwickelt sich z.B. die klassische Tragödie, zunächst in England und Deutschland, zum bürgerlichen Trauerspiel, während sich die klassische Komödie in Deutschland und Frankreich zum rührenden Lustspiel beziehungsweise zur "comédie larmoyante" wandelt.

In Frankreich arbeitet Denis Diderot an seiner Enzyklopädie, die das Wissen der damaligen Zeit kompakt zusammenfasst und überlieferte Dogmen in Frage stellt.
Jean Jacques Rousseau liefert mit seinem "Gesellschaftsvertrag", die Grundlage für einen modernen Staat, der alle Menschen auf eine Stufe stellt und Voltaire wendet sich mit seinen Schriften gegen die Ständegesellschaft und die kirchliche und staatliche Autorität.

Der englische Roman, die bürgerliche Gattung par excellence, erscheint im 18. Jahrhundert, vor allem repräsentiert durch die Werke Henry Fieldings, Jonathan Swifts und Daniel Defoes, dessen "Robinson Crusoe" auch heute noch zur klassischen Schullektüre zählt.

In Deutschland kam es während der Aufklärung erstmals zur Herausbildung einer "Nationalliteratur".
Bereits im Jahr 1687 hielt Christian Thomasius, der "Vater der deutschen Aufklärung", seine Vorlesungen in Deutsch statt Latein. Bekannte Philosophen dieser Zeit, der Frühaufklärung, waren Christian Wolff und Gottfried Wilhelm Leibniz. Der wichtigste literarische Autor der Frühaufklärung war sicher Christian Fürchtegott Gellert (1715-1769) mit seinen Fabeln. Die bedeutendste Figur im literarischen Leben aber war Johann Christoph Gottsched (1700-1766). Wegweisend waren seine theoretischen Schriften, vor allem der "Versuch einer critischen Dichtkunst" (1730), sein literarisches Werk ist dagegen zweitrangig. In der "Dichtkunst", einer normativen Poetik, orientierte er sich am klassischen französischen Drama und behielt die Ständeklausel bei. Dagegen polemisierten die Schweizer Johann Jakob Bodmer und Johann Jakob Breitinger, die das rationale Moment überbewertet sahen.

Autoren der Frühaufklärung lassen sich auch dem Spätbarock zurechnen, ein Beispiel dafür, wie fragwürdig Epocheneinteilungen sein können. Der bedeutendste Lyriker war Johann Christian Günther (1695-1723), ebenso wie Barthold Heinrich Brockes (1680-1747), kann er beiden Epochen zugeschrieben werden.

Neben der Aufklärung bildeten sich auch Strömungen, die das Gefühl in den Vordergrund stellten. Dazu zählt die Rokoko-Dichtung von Friedrich Hagedorn, Ewald Christian von Kleist, Salomon Gessner und anderen.

Vorbild einer ganzen Generation wurde Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803) mit seinem Epos "Der Messias" (1748-1773), das ganz in Empfindungen und Seelenzuständen schwelgt. Klopstock wird der Empfindsamkeit zugerechnet.

Im Bereich der Prosa war Christoph Martin Wieland (1733-1813) wegweisend. Er gestaltete den frühen Bildungsroman "Geschichte des Agathon" (1766/67) und vermischte Rokoko-Elemente mit aufklärerischen Gedanken.

Die deutsche Spätaufklärung ist undenkbar ohne Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781). Sein Wirken umfasst wichtige theoretische Werke ("Laokoon" 1766), Literaturkritik (mit Friedrich Nicolai und Moses Mendelssohn) und eine Reihe von bedeutenden Dramen. Am stärksten von aufklärerischem Geist durchdrungen ist "Nathan der Weise" (1779), in dem exemplarisch gezeigt wird, dass der Wert eines Menschen nicht an zufälligen Etiketten wie Religion oder Nation abgelesen werden kann.

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