Mittelalter

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Mittelalter (etwa 750 bis 1500)

Die ersten literarischen Sprachdenkmäler in der jeweiligen Volkssprache (offizielle Sprache - lingua franca - war ja Latein) sind in Europa aus dem Mittelalter überliefert.
Bei den frühen Werken handelt es sich in der Regel um religiöse Texte. Erst im Hochmittelalter entstanden die höfische Lyrik und die höfische Epik.

Anfänge der französischen Literatur

Eine eigenständige französische Literatur beginnt innerhalb der französischen Geschichte mit der Herausbildung einer französischen Schriftsprache im 11./12. Jahrhundert.
Zu den frühen literarischen Werken in französischer Sprache zählen die Heldenepen, die von Spielleuten auf Märkten und Festen vorgetragen wurden und das Leben und Wirken bedeutender Helden thematisieren.
Das älteste altfranzösische Heldenepos ist das Rolandslied ("La Chanson de Roland") aus der Zeit um 1100. Das ebenso bekannte Werk, die "Chanson de Guillaume", entstand nur wenige Jahre später.
Im 12. und 13. Jahrhundert wird die Gattung des Heldenepos um den Ritterroman ergänzt. Die neuen Helden des Ritterromans kämpfen nicht mehr nur für Christentum und Vaterland wie die Helden des Epos, sondern auch für die (platonische) Liebe zu einer Dame. Gleichzeitig werden in dieser Gattung höfische Ideale transportiert. Zu den bedeutendsten Vertretern dieser Gattung gehört Chretien de Troyes, dessen Werke für andere europäische Literaturen stilbildend waren.
Um 1200 gab es außerdem eine sehr reichhaltige lyrische Literatur in okzitanischer Sprache in der Südhälfte Frankreichs, die die gesamteuropäische Literatur durch ihre Formenvielfalt stark beeinflusste.

Anfänge der deutschen Literatur

Die ältesten althochdeutschen Überlieferungen stammen aus dem 8. Jahrhundert. Beispiele sind die Merseburger Zaubersprüche (erst im 9./10. Jahrhundert überliefert), zwei germanische Beschwörungsformeln, die zugleich als bislang einziger literarischer Beleg für die heidnische Religiosität im deutschsprachigen Raum gelten.
Ebenfalls aus dieser Zeit stammt das ältere Hildebrandslied. Da Lesen und Schreiben hauptsächlich in Klöstern unterrichtet wurde und Pergament teuer war, ist die althochdeutsche Literatur in erster Linie christlich, wie zum Beispiel das Evangelienbuch des Otfrid von Weißenburg. Um das Jahr 1000 übersetzte Notker in St. Gallen bereits philosophische Texte der Antike ins Althochdeutsche.
Allmählich entstand auch weltliche Literatur. Erste vorhöfische Epen waren das Alexanderlied und das Rolandslied. In der Lyrik entwickelte sich der Minnesang mit seinen wichtigsten Vertretern Heinrich von Morungen, Hartmann von Aue und Walther von der Vogelweide. Im Hochmittelalter (12. und 13. Jahrhundert) entstand nach französischem Vorbild (Chrétien de Troyes) das höfische Epos in mittelhochdeutscher Sprache. Am bekanntesten sind hier "Erec" (Hartmann von Aue), "Tristan und Isolde" (Gottfried von Straßburg) und "Parzival" (Wolfram von Eschenbach). Anonym überliefert bleibt das Heldenepos "Nibelungenlied".

Anfänge der italienischen Literatur

Die italienische Literatur ist im Vergleich zu den anderen romanischen Sprachen relativ spät entstanden. Vorherrschend waren Latein, Altfranzösisch und Provenzalisch, die nach und nach von der Volkssprache, dem Volgare, abgelöst wurden. Nach kleineren und unbedeutenden Zeugnissen gilt der "Sonnengesang" von Franz von Assisi als das erste Stück italienische Literatur (um 1200).
Die sizilianische Dichterschule entstand im frühen 13. Jahrhundert am Hof Kaiser Friedrichs II. in Palermo. Eigentlich handelte es sich um eine Gruppe von Beamten, die nebenbei auch Dichter waren, auch Friedrich selbst verfasste Gedichte. Dort wurde von Giacomo da Lentini das Sonett erfunden. Die sizilianische Dichterschule hatte großen Einfluss auf ganz Italien und wirkte noch weiter, als das Staufferreich bereits untergegangen war.
Die Zentren der Lyrik verlagerten sich nach Norden (Bologna, Florenz). Guido Guinizelli entwickelt den "Süßen neuen Stil" (dolce stil nuovo), der ein verklärtes Liebesideal besingt. So benannt wurde dieser Stil von einem seiner Vertreter, nämlich dem italienischen Dichterfürsten Dante Alighieri (1265-1321), der diesem Stil in seinem Gedichtzyklus "La vita Nuova" Unsterblichkeit bescherte. Bekannter ist Dante allerdings für seine Lehrdichtung, die "Göttliche Komödie", die ihn zu einem der größten Literaten Europas machte.
Francesco Petrarca (1304-1374), eigentlich der Begründer des Humanismus, verfassten seinen Gedichtzyklus "Canzoniere" in italienischer Sprache. Dieser Zyklus gilt bis heute als die bedeutendste nachantike Gedichtsammlung der europäischen Literatur. Er umfasst 317 Sonette, 9 Sestinen, 7 Balladen und 4 Madrigale.
Giovanni Boccaccio (1313-1375) schrieb das "Decamerone", eine Sammlung von 100 Novellen, die in eine Rahmenhandlung eingebettet sind.
Dante, Petrarca und Boccaccio wurden auch als die drei Florentiner Kronen (Le tre corone fiorentine) bezeichnet und markieren nach wie vor den ersten Höhepunkt der italienischen Literatur.

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