Literatur nach 45

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Literatur nach 1945

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges sprach man in Deutschland und Österreich von einem Nullpunkt. Die "Trümmerliteratur" beschrieb eine zusammengebrochene Welt, bald besann man sich aber darauf, versäumte Entwicklungen der Weltliteratur nachzuholen, erst jetzt wurde Franz Kafka entdeckt. Die Wiener Gruppe praktizierte innovative Formen der Lyrik, in Westdeutschland formierte sich die Gruppe 47, deren lose assoziierten Mitlieder tonangebend in der Nachkriegsliteratur waren.

Mit der Teilung Deutschlands entstanden unterschiedliche Bedingungen für die Literatur. Im Folgenden werden die Literatur der BRD, der DDR, Österreichs und der Schweiz getrennt dargestellt, die Unterschiede sollten aber nicht überbewertet werden: Immerhin handelt es sich um eine gemeinsame Sprache und, mit Ausnahme der DDR, um einen gemeinsamen Markt.

Bundesrepublik Deutschland

Unmittelbar nach 1945 wurde der Schrecken des Krieges und die Situation der Heimgekehrten dargestellt. Eine neu entdeckte Form dafür war die Kurzgeschichte, etwa von Heinrich Böll (1917-1985).
Nach dem Einsetzen des deutschen Wirtschaftswunders, konzentrierte man sich auf die Darstellung der Gegenwart wie in den Romanen von Wolfgang Koeppen (1906-1996) und Martin Walser (* 1927).
Günter Grass (* 1927) schrieb "Die Blechtrommel", einen Schelmenroman, der die jüngere deutsche Geschichte behandelte und auch international bekannt wurde.
Wichtiger Lyriker der Zeit war Günter Eich (1907-1972), der auch Hörspiele schrieb, ein damals sehr populäres Genre. Konkrete Poesie stammte von Helmut Heißenbüttel (1921-1996).

Autoren, die sich nur schwer einer bestimmten Richtung zuordnen lassen, sind Uwe Johnson (1934-1984) und der experimentierfreudige Arno Schmidt (1914-1979). Wolfgang Hildesheimer (1916-1991) schrieb absurde Dramen zu einer Zeit, als die Theaterlandschaft noch immer von Bertolt Brecht geprägt war.

Mit dem Vietnamkrieg und der 68er-Bewegung besann man sich auf das politische Gedicht (Hans Magnus Enzensberger, Erich Fried) und das politische Drama (Peter Weiss, Rolf Hochhuth). Eine dem entgegengesetzte Tendenz war die "Neue Subjektivität", die Beschäftigung mit privaten Themen.

In den 80er Jahren traten Botho Strauß (* 1944), Ulla Hahn (* 1946) und später Durs Grünbein (* 1962) (Lyrik) hervor.

Deutsche Demokratische Republik

Die DDR definierte sich selber als "Literaturgesellschaft" (der Begriff stammt von Johannes R. Becher), sie kämpfte gegen die "Poesiefeindlichkeit" des Westens und gegen die Ghettoisierung einer Hochkultur.
Eine Demokratisierung sollte auf Ebene der Produktion, der Distribution und der Rezeption durchgeführt werden. Allerdings wurde durch die Zensur der Begriff der Demokratisierung ad absurdum geführt, da der Staat versuchte, die Literatur zu funktionalisieren und für seine Zwecke, für die des Realsozialismus, zu verwenden.

Das Regime förderte eine Literatur auf der Grundlage des Sozialistischen Realismus, ein darauf aufbauender Plan wurde als "Bitterfelder Weg" bekannt.
Unter den regimenahen Autoren ist vor allem Hermann Kant (* 1926) zu erwähnen. Johannes Bobrowski (1917-1965) verfasste die wichtigste Prosa seiner Zeit. In den 1970er Jahren lässt sich wie in der BRD eine Tendenz zur "Neuen Subjektivität" feststellen. Viele Autoren mussten oder durften die DDR verlassen, so Wolf Biermann (* 1936), Sarah Kirsch (* 1935) und schon früher Uwe Johnson.
Wichtige Autoren sind unter anderem: Christa Wolf (* 1929), Heiner Müller (1929-1995), Irmtraud Morgner (1933-1990), Stephan Hermlin (1915-1997), Stefan Heym (1913-2001), Jurek Becker (1937-1997).

Österreich

Nach dem Zweiten Weltkrieg bemühten sich insbesondere die Wiener Gruppe um Gerhard Rühm (* 1930) und H. C. Artmann (1921-2000) sowie Autoren wie Albert Paris Gütersloh (1887-1973) und Heimito von Doderer (1896-1966) um Anknüpfpunkte an die durch den Austrofaschismus und die Nazi-Zeit verschüttete moderne Tradition.
Die Affinität zum Sprachspiel ist eine Konstante in der österreichischen Literatur, zu den bekannteren Vertretern gehören Ernst Jandl (1925-2000) und Franzobel (* 1967). Wichtige Lyrikerinnen waren Friederike Mayröcker (* 1924) und Christine Lavant (1915-1973).

Der Lyriker Paul Celan lebte Ende der 40er Jahre ein Jahr lang in Wien, ging dann aber nach Paris. Erich Fried emigrierte nach Großbritannien.

Eine Blüte erlebte die österreichische Literatur in den 60er und 70er Jahren, als Autoren wie Peter Handke (* 1942), Ingeborg Bachmann (1926-1973) und Thomas Bernhard (1931-1981) die deutschsprachige Literaturlandschaft nachhaltig verändert wurde. In dieser Tradition arbeiten auch bedeutende zeitgenössische Autoren wie beispielsweise Norbert Gstrein, Elfriede Jelinek (* 1946), O. P. Zier, Sabine Gruber und Ruth Aspöck.

Schweiz

Anders als in Deutschland oder Österreich gab es mit 1945 keinen grundlegenden Einschnitt in der Schweizer Literatur. Die wichtigsten Schweizer Autoren sind Max Frisch (1911-1991) und Friedrich Dürrenmatt (1921-1990). Beide schrieben Romane und Dramen, Frisch eher intellektuell, Dürrenmatt eher pointiert-makaber. Weitere Schweizer Autoren, die oft im Schatten der beiden großen standen, sind Adolf Muschg (* 1934), Peter Bichsel (* 1935) und Urs Widmer (* 1938). Die wichtigste literarische Vereinigung der Schweiz war die bis 2002 bestehende Gruppe Olten.

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Weblinks


Dieser Artikel basiert auf dem Artikel "Deutsche Literatur" aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

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