Renaissance

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Humanismus, Renaissance, Reformation
(etwa 1400 bis 1600)

Im 15. und 16. Jahrhundert kommt es in Italien im Zuge des Humanismus und der Renaissance zur Wiederentdeckung und -belebung der Literatur nach antikem Vorbild.
Maßgeblich beteiligt an dieser Bewegung waren die reichen und mächtigen Stadtstaaten Mailand, Florenz und Venedig, die im 15. und 16. Jahrhundert, die politische und kulturelle Vormachtstellung in Europa innehatten.
Als die zwei wichtigsten Grundlagen für den Humanismus und die Renaissance sind der Fall Konstantinopels (1453) und die Erfindung des Buchdrucks (1455) zu nennen.
Nach dem Fall Konstantinopels ließen sich zahlreiche Gelehrte in Italien nieder, die sich mit der griechischen Kultur der Antike beschäftigten und diese somit nach Italien brachten. Die Antike wurde in der Folge immer mehr zum Leitbild des modernen Menschen, der das "finstere Mittelalter" zunehmend ablehnte. Wissen und Bildung erhielten eine stärkere Bedeutung als die Abhängiggkeit von der Religion.
Im Zuge der Beschäftigung mit der römischen und griechischen Antike entdeckte man auch die alten Werke griechischer und lateinischer Autoren wieder. Gefördert durch die Erfindung des Buchdrucks fanden diese Texte sehr schnell Verbreitung in Italien und Europa und wurden somit zum Vorbild der neuen Literatur.

Humanismus

Francesco Petrarca (1304-1374) gilt als der eigentliche Begründer des Humanismus. Inspiriert von den kulturellen und literarischen Idealen der Antike verfasste er zahlreiche lateinische Werke. Aus Italien kommend verbreitete sich der Humanismus in Deutschland und Europa. Man wandte sich antikem Gedankengut zu. Bekannte Vertreter waren der in Basel tätige Erasmus von Rotterdam und Johannes Reuchlin, allerdings schrieben sie ihre Werke meist lateinisch und hatten außerhalb der Gelehrtenwelt wenig Einfluss. Anders Ulrich von Hutten (1488-1523) mit seinen rebellischen Gedichten oder Sebastian Brant (1458-1521), der sein äußerst erfolgreiches "Narrenschiff" auf Deutsch verfasste.

Renaissance

Der Humanismus legte mit seiner Beschäftigung mit der Antike die Grundlage für die Renaissance, die von Italien aus ganz Europa eroberte. Das französische Wort Renaissance bedeutet Wiedergeburt. Bezogen auf seinen Ursprung meint der Begriff die "kulturelle Wiedergeburt der Antike".
In den 1450er Jahren wurde der Hof der Este in Ferrara zu einem kulturellen Zentrum. Hier schrieb Matteo Boiardo (1441-1494) die Gedichtsammlung "Canzoniere" (in Anlehnung an Petrarca) und das Epos "Der verliebte Roland". Internationale Bedeutung erreichte dann die Fortsetzung "Der rasende Roland" ("Orlando Furioso") von Ludovico Ariosto (1474-1533).
Der Florentiner Niccolò Machiavelli (1469-1527) ist vor allem für sein Traktat "Der Fürst" (1532) bekannt, in dem er das Ideal eines absolutistischen Herrschers darstellt, er schuf aber auch historische und literarische Werke, so die Komödie "Die Liebesalraune" (um 1518).
Der idealtypische Renaissancemensch wurde von Baldassare Castiglione (1478-1529) im "Buch vom Hofmann" (1528) beschrieben. Er verwendete dafür die beliebte Gattung des literarschen Dialogs.
Pietro Aretino (1492-1556) war für seine erotische Literatur ("Die wollüstigen Sonette") und Satiren berüchtigt.
Matteo Bandello (1485-1561) gab eine umfangreiche Novellensammlung heraus. Anders als bei Boccaccio gibt es darin keine Rahmenhandlung mehr. Bandellos Novellen waren international sehr erfolgreich, Shakespeare etwa verwendete sie als literarische Fundgrube für seine Dramen.
Der Maler und Architekt Giorgio Vasari (1511-1574) verfasste eine bedeutende Sammlung von Künstlerbiographien.
Torquato Tasso (1544-1595) schrieb das Ritterepos "Rinaldo". Sein Hauptwerk ist "Das befreite Jerusalem" (La Gerusalemme liberata 1580). Das Epos erschien ohne Tassos Authorisation und er bearbeitete es weiter zu "Das eroberte Jerusalem" (1593).
Auch die Intellektuellen der Zeit haben Aufnahme in die Literaturgeschichte gefunden. Giordano Bruno (1548-1600), normalerweise als Philosoph bekannt, verfasste die Komödie "Der Kerzenmacher" und meisterhafte Dialoge philosophischen Inhalts. Galileo Galilei (1564-1642) veröffentlichte einen großen Teil seines wissenschaftlichen Werks nicht wie damals üblich in Latein, sondern in geschliffener italienischer Sprache.

Elisabethanisches Theater in England

Als Elisabethanisches Theater bezeichnet man gemeinhin das Theater der englischen Renaissance unter Königin Elisabeth I. (reg. 1559 - 1603) und ihrem Nachfolger Jakob I. (reg. 1603 - 1625).
Die Herrschaft Elisabeths I. war geprägt durch den Interessensausgleich zwischen Bürgertum und Adel. Der Weltmachtsstatus Englands brachte den Aufstieg einer bürgerlichen Schicht mit sich - während feudale Strukturen nach und nach an Bedeutung verloren. Wohlstand machte sich breit, eine entscheidenden Voraussetzung für den wissenschaftlichen Fortschritt der Zeit. Humanistische Bildungsbestrebungen führten zu einem einheitlich hohen Bildungsniveau. Dies dürfte die Hauptvoraussetzung für das Entstehen einer Theaterkultur gewesen sein.
Das Elisabethanische Theater war keineswegs elitär; das Publikum der großen Amphitheater auf der Bankside rekrutierte sich gleichermaßen aus Lehrlingen, Handwerkern und Händlern, Gelehrten sowie Angehörigen des Adels. Dank vergleichsweise niedriger Eintrittspreise konnte sich auch die Unterschicht den Theaterbesuch leisten.
Ein beliebtes Genre waren die "historical plays", Darstellungen englischer bzw. europäischer Geschichte. Shakespeares Königsdramen (z.B. Richard III. oder Henry V.) fallen ebenso in diese Kategorie wie viele Stücke von Christopher Marlowe, dessen Tragödien seinen Ruhm begründeten (The Tragical History of Dr. Faustus, The Jew of Malta).
Großen Anklang beim Publikum fanden insbesondere Rachedramen nach dem Vorbild Senecas, zu nennen wären hier Thomas Kyds Spanish Tragedy oder John Websters Duchess of Malfi - blutige Inszenierungen der verschiedensten Gewalttaten. Thomas Dekker (The Shoemaker's Holiday) gilt (ebenso wie Thomas Middleton mit A Chaste Maid in Cheapside) als Vertreter der city comedy, die sich satirisch mit dem Stadtleben auseinandersetzt. Ben Johnsons Lustspiele (Volpone, the Fox) thematisieren dagegen den Konflikt des Individuums mit der Gesellschaftsordung.

Reformation und Volksdichtung in Deutschland

Die folgenreichste Bewegung war dieser Zeit war jedoch die von Martin Luther (1483-1546) eingeleitete Reformation. Luther verstand es, seine Ideen auch in volksnahem Deutsch zu verbreiten. Das herausragendste Ereignis auf dem deutschen Buchmarkt des 16. Jahrhunderts war sicher das Erscheinen seiner Bibelübersetzung in den Jahren 1522 und 1534. Sie trug wesentlich zur Entwicklung des heutigen Deutsch bei.

Neben Humanismus, Renaissance und Reformation verdienen für den deutschsprachigen Raum auch der Meistersang, die Schwankdichtung und das Fastnachtsspiel zumindest eine Erwähnung, insbesondere deren Vertreter Hans Sachs (1494 - 1576) und Jörg Wickram (um 1505 - vor 1562).

Ein häufiges Genre der Zeit war das Volksbuch. Es entstand anonym und war, weil es beliebte Themen aufgriff, weit verbreitet. Beispiele sind die "Historia von D. Johann Fausten" und die Geschichten um Till Eulenspiegel.

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Weblinks



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