Romantik

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Romantik (etwa 1796-1835)

In ganz Europa sorgt zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Romantik für eine geistige Erneurung, die die klassischen Formen und Werte in Frage stellt und neue Formen und Werte propagiert. Die Abwendung von der Klassik und von der Kultur der Antike zieht die Hinwendung zur eigenen Kultur nach sich. Hiermit ist zugleich eine stärkere Hinwendung zur Sagen- und Mythenwelt des Mittelalters verbunden.

Auf Grund der Hinwendung zur eigenen Kultur des Mittelalters entsteht mit Walter Scotts "Waverley" in England im frühen 19. Jahrhundert der historische Roman, der in der Folge insbesondere die romanischen Länder eroberte. Hier sind z.B. Alessandro Manzonis "Die Verlobten" und Victor Hugos "Notre Dame de Paris" zu nennen.

Die deutsche Epoche der Romantik wird meist in Frühromantik, Hochromantik, Spätromantik und Nachromantik unterteilt; im Einzelnen ist es jedoch nicht ganz einfach, zeitliche und personelle Abgrenzungen vorzunehmen.

Die Frühromantik kann aus literaturtheoretischer Perspektive als die spannendste Phase bezeichnet werden. Die miteinander befreundeten Autoren, wie die Brüder August Wilhelm (1767-1845) und Friedrich Schlegel (1772-1829), Wilhelm Heinrich Wackenroder (1773-1798), Ludwig Tieck (1773-1853) und Friedrich von Hardenberg (1772-1801), der unter dem Pseudonym Novalis arbeitete, brachen mit vielen Konventionen: beispielsweise mischten sie in ihren Romane Gedichte und Balladen, kleine Märchen etc.; dabei bezogen sie sich oft auf Goethes Werke ("Werther", "Wilhelm Meisters Lehrjahre").
Dem entspricht Friedrich Schlegels Konzept einer 'progressiven Universalpoesie', die nicht nur unterschiedlichste Gattungen und Wissensgebiete miteinander verbindet, sondern auch über sich selbst nachdenkt und ihre eigene Kritik enthält. Als wichtigstes Gestaltungsmittel dieser 'Reflexionspoesie' erscheint die Ironie, die zum Ausdruck bringt, dass der ideale Zustand, den Kunst nach 'klassischer Theorie' in den Blick bringen soll, menschlicher Vorstellung entzogen ist, und dass den Bildern, mittels derer die Künstler diesen Zustand darzustellen suchen, nicht zu trauen ist. Andererseits können wir uns der vielfältigen Bedeutungen und Bedeutungsbrechungen literarischer Werke nie sicher sein und tun deshalb möglicherweise gut daran, uns auf das Wagnis der Lüge, das die Kunst eingeht, einzulassen.
Das literarische Fragment ist ein weiteres, von den Romantikern geschätztes Darstellungsmittel, in dem die Kunst ihr eigenes 'Versagen' reflektiert und sich von dem 'klassischen' Konzept des harmonisch in sich abgeschlossenen Werks, in dem sich der ideale Zustand 'spiegelt', abgrenzt.

Als Vertreter der Hochromantik gelten Ludwig Achim von Arnim (1781-1831) und Clemens Brentano (1778-1842). Sie gaben unter dem Titel "Des Knaben Wunderhorn" eine Sammlung deutscher Volkslieder heraus. Und es war deren Ehefrau und Schwester Bettina von Arnim (1785-1859), die mit ihrem Band "Goethes Briefwechsel mit einem Kinde" - erschienen 1835 - nicht zuletzt zur Popularität Goethes in Deutschland beitrug, aber auch die sozialen und politischen Missstände in Deutschland immer wieder in ihrem Werk thematisiert hat ("Armenbuch", "Dies Buch gehört dem König", besonders dessen Anhang, sowie die "Polenbroschüre").

Auch die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm zählen mit ihrer Sammlung von Volksmärchen zu dieser Epoche. Ebenso kann man auch den mittleren Tieck dieser Epoche zuordnen.

Der wohl bekannteste Spätromantiker dürfte E.T.A. Hoffmann (1776-1822) sein, der mit Erzählungen wie "Lebensbeschreibungen des Katers Murr" und "Der Sandmann" die romantische Ironie psychologisch wendet und so eine moderne, nicht mehr idealistisch begründete Poetik vorbereitet. Zur Spätromantik zählt darüber hinaus der Dichter Joseph von Eichendorff (1788-1857).

Heinrich Heine (1797-1856) nimmt zur Romantik und zu ihren Motiven eine oft ironische Haltung ein und müsste wohl am ehesten zum Frührealismus gerechnet werden.

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